Struma

 

 

1) Kropf:; engl.: struma; goiter

Vergrößerung der Schilddrüse meist als Folge alimentären Jodmangels, Störung des Enzymsystems der Schilddrüsenfollikel (mit Jodfehlverwertung) sowie bei Störungen der gesamten endokrinen Regulation; weitere Ursachen Tab. Wird bezeichnet als eu|thyreote St. im Fall klinisch als normal anzusehender Schilddrüsengesamtfunktion u. ist parenchymatös oder kolloidal. Ist als hyperthyreote St. mit Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose, s.a. BASEDOW* Krankheit) verknüpft; ist diffus oder knotig (s.a. Strumaknoten). Ist als hypo|thyreote St. mit Schilddrüsenunterfunktion verknüpft (Hypothyreose; Kretinismus), v.a. bei Jodmangel u. Jodfehlverwertungen, durch strumigene Substanzen, nach Strumitis. Verursacht bei entsprechender Größe, u.a. auch bei Ausdehnung in die Brusthöhle (= intrathorakale St.), örtliche mechanische Komplikationen wie Tracheomalazie, Schluckstörungen (= Dysphagie), Einflußstauung, Rekurrenslähmung, HORNER* Symptomenkomplex, Kropfherz. – Wird je nach Art u. Ursache behandelt z.B. mit Jodgaben, Schilddrüsenhormonen, Thyreostatika, Röntgenstrahlen bzw. Radiojod oder operativ (Strumaresektion).
 

St. ab|errans

engl.: aberrant g.

St. akzessorischer Schilddrüse; z.B. Zungengrund-St. (= St. baseos linguae; oft das einzige Schilddrüsengewebe!), aber auch mediastinal, intratracheal, hinter den Halseingeweiden; ist als echter Nebenkropf von der Hauptdrüse völlig getrennt, als falscher durch eine Bindegewebsbrücke mit ihr verbunden; ferner Bezeichnung für Metastasen eines Schilddrüsenkarzinoms in Halslymphknoten.
 

St. basedowiana; St. basedowificata

BASEDOW-Struma, gebräuchlich für jodinduzierte Schilddrüsenüberfunktion.
 

St., blande

die nicht-entzündliche, nicht-maligne euthyreote St.
 

St. colloides

Gallert-St.; engl.: colloid g.

Kolloidstruma mit knotiger Hyperplasie. Ausweitung der Follikel durch große Kolloidmengen (Histologie) [169]
  

Kolloidstruma; groß, weich, diffus oder knotig, infolge Kolloidstauung, aus der St. parenchymatosa hervorgehend (s.a. Abb.), durch Verschmelzung der Schilddrüsenfollikel evtl. zystisch.
 

St. connata

engl.: congenital g.

angeborene diffuse St. (»Neugeborenen-St.«) infolge Jodmangels bzw. nach Anw. von Thyreostatika während der Schwangerschaft.
 

St. diffusa

engl.: diffuse g.

gleichmäßig hyperplastische St. parenchymatosa oder colloides ohne umschriebene Knoten.
 

St., eisenharte

engl.: ligneous st

RIEDEL* Struma.
 

St., en|demische

engl.: endemic g.

Jodmangelstruma bei mehr als 10% der Bevölkerung eines Gebietes, weltweit in Gebirgsregionen.
 

St. endothoracica

engl.: intrathoracic g.

St. mit Ausdehnung in das Mittelfell; sog. Tauchkropf; als intrathorakale St. oben im allgem. Teil besprochen.
 

St. fibrosa

engl.: fibrous g.

derbe St.; als St. nodosa, RIEDEL* St.
 

St. granulomatosa

QUERVAIN* Thyreoiditis.
 

St., großzellige kleinalveoläre

LANGHANS* Struma; s.a. HÜRTHLE* Zell-Adenom.
 

St. juvenilis

Adoleszentenstruma.
 

St. lymphomatosa

HASHIMOTO* Thyreoiditis.
 

St. mali|gna

Schilddrüsenkarzinom.
 

St. nodosa

engl.: nodular g.

Struma nodosa [349]
  

der Balg-, Knotenkropf. Häufigste euthyreote St. parenchymatosa oder colloides mit meist zahlreichen bindegewebig abgegrenzten Hyperplasien (Abb.); evtl. mit Wucherung, z.T. auch mit Verkalkung (St. calculosa) des Bindegewebes; s.a. Strumaknoten.
 

St. par|enchymatosa

engl.: parenchymatous g.

im allg. euthyreote St. diffusa oder nodosa durch Drüsenepithelwucherung (Schilddrüsenhyperplasie); tritt v.a. in Lebensphasen mit erhöhtem Schilddrüsenhormonbedarf auf (z.B. als Adoleszentenstruma). Evtl. Übergang in Struma colloides.
 

St. retro|sternalis

engl.: substernal g.

St. endothoracica mit Lage hinter dem Brustbein.
 

St. toxica

engl.: toxic g.

BASEDOW* Struma (ungebräuchliche Bez.).
 

St. vasculosa

engl.: vascular g.

sehr gefäßreiche St.; meist als Zeichen einer Überfunktion; evtl. sogar pulsierend oder mit aneurysmatischen bzw. varikösen Gefäßerweiterungen (= St. varicosa).
 

2) engl.: struma
Fach: Pathologie

historische Bezeichnung für nicht-schilddrüsenbedingte Halsschwellungen (MADELUNG* Fetthals [= St. adiposa]) sowie für kropfförmige Tumoren.
 

St. colli vesicae

Prostatahyperplasie, benigne.
 

Struma - pathogenetische Einteilung (nach Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie) [5]

bei Jodmangel
bei Immunthyreopathien
mit Autonomie
bei Zystenbildung, durch Blutung nach Trauma
bei Entzündungen
bei Schilddrüsentumoren
bei neoplastischer Produktion von TSH- u. TSH-ähnlichen Substanzen
bei Akromegalie
bei Enzymdefekten
bei Hormonresistenz
bei Befall der Schilddrüse durch extrathyreoidale bzw. systemische Erkrankungen

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Roche Lexikon Medizin, 4.Auflage; © Urban & Fischer Verlag, München 1984/1987/1993/1999